Der Coach verlässt das Spielfeld…!

Emotionale Momente machen die Würze des Lebens aus – seien es spannende, prickelnde oder auch einfach nur die ruhigen, gefühlsbetonten Situationen, die diesen Momenten zugrunde liegen. Gerade im beruflichen Alltag sind sie aber oftmals verpönt, werden nicht zugelassen und zeugen vor allem im (Projekt-) Management vermeintlich von Schwäche. Dabei ist die Eigenschaft, Emotionen zuzulassen immens wertvoll.

Um Emotionen in Projekten Raum zu geben, ist es wichtig, an die Menschen im Projekt andocken zu können – Ihre persönlichen Hintergründe, Ihre Sprache und Ihr Verhalten zumindest zu verstehen und verbale sowie nonverbale Signale lesen zu können.

Beides, sowohl Emotionen als auch das Andocken an unterschiedliche Welten, Kulturen und Persönlichkeiten ist unerlässlich, um einem Vorhaben oder Projekt eine Seele zu geben.

In einem meiner letzten Projekte in der Logistik war ich als Testmanager verantwortlich für die Definition und Durchführung der Systemtests. Nach Produktivsetzung des Systems im operativen Umfeld auf der Lagerhalle habe ich meinen Kunden zudem in der Steuerung und im Training der operativen Prozesse unterstützt.

Im Zuge dessen durfte ich Kommissionierer und Verlader in den Systemprozessen begleiten. Ein meist raues, robustes Umfeld mit unterschiedlichsten kulturellen Backgrounds und persönlichen Charakteren, die mir zu Beginn mit einer ordentlichen Portion Skepsis begegneten.

Nach einigen Anläufen und wiederkehrendem Nachfragen wurde mir klar, warum!

Es bestand auf Seite der Mitarbeiter keinerlei Transparenz über die definierten Prozesse. Sie wurden im Vorfeld weder in die Konzeptphase noch in das Handling der Hard- und -Software eingebunden. Dem folgte eine allgemeine Unsicherheit, die sich aber keiner der Mitarbeiter – vor allem vor den Anderen und dem anwesenden Management – eingestehen konnte.

Also habe ich mein Vorgehensmodell umgestellt und der Unwissenheit Raum gegeben. Ich konnte die Kollegen gemeinsam auf ein Level bringen, in dem ich allen diese Unsicherheit erst einmal zugestanden habe. Wohlgemerkt: Viele der dort vertretenen Kulturen und Persönlichkeiten sind es nicht gewohnt, als unwissend zu gelten, geschweige denn zu scheitern.

Gemeinsam haben wir so Schritt für Schritt die Prozesse im Training-on-the-Job durchlebt, erlernt und somit das Selbstbewusstsein der Mannschaft vor Ort gestärkt.

Das Ergebnis war eine für mich beeindruckende Atmosphäre von Respekt und gegenseitiger Hilfestellung auch unter den Mitarbeitern selbst, die ich so nicht erwartet hatte.

Mein klares Fazit:   „Schaue hinter die Kulissen, verstehe das Andersartige und lasse Dich darauf ein, nutze Deine eigenen Gefühle und erkenne die Gefühlslage anderer…und Du schaffst die Grundlage für die Entwicklung einer Projektseele.“

Ach ja, als ich das Projekt verlassen habe, haben die Jungs gesagt „Schade, der Coach geht…!“.

Einer meiner emotionalsten Momente des Jahres 2017!

 

– Überarbeitete Version, Erstveröffentlichung 2017 –

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