Die dunkle Seite der Macht!

Projektmanagement: Die dunkle Seite der Macht
Wenn ein Projekt schiefgeht, gibt es vieles, was zu tun ist. Aber eines sollten die Beteiligten vermeiden wie ein Jedi die dunkle Seite: dem eigenen Team in den Rücken zu fallen.

Als Projektmanager leitete ich die Implementierung eines neuen IT-Systems im Bereich Warehouse Management: Ich hatte gemeinsam mit anderen das Projekt angeschoben, alles lief soweit rund und wir starteten die Golive-Phase gemeinsam mit dem Kunden. In der Rampup-Phase des Projekts war auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden jedoch kein sanfter Übergang vorgesehen. Das neue IT-System sollte direkt im Rahmen des ganz normalen Tagesgeschäfts starten. Hoher Zeit- und Handlungsdruck machten diesen Kaltstart nötig – allen unseren Warnungen im Vorfeld zum Trotz.

Wenn Sie jemals ein neues IT-System implementiert haben, dann wissen Sie: Dass alles nach Plan läuft, ist utopisch – und genau so war es auch in unserem Projekt. Anlaufschwierigkeiten, wo wir hinschauten. Kaum etwas klappte wie vorgesehen, bedingt durch Probleme auf beiden Seiten – unserer und die des Kunden. Das Projektteam war dadurch natürlich verunsichert, der Kunde ebenso. Alle versuchten zunächst aber, sich gegenseitig zu unterstützen.

Beim Kunden gerieten die produktiven und operativen Prozesse dennoch schnell ins Stocken. Endkunden beschwerten sich über fehlende Unterstützung und nicht eingehaltene Liefertermine. Und so dauerte es auch nicht lange, bis der Kunde mit Nachdruck nach einer schnellen Lösung dieser Probleme verlangte.

„Der Ritter auf dem weißen Pferd gibt sich die Ehre!“

Wir als Projektteam konnten jedoch aus eigener Kraft nicht mehr gegensteuern – wir waren schon zu sehr in Rückstand geraten. Es wurden die ersten Krisensitzungen auf Lenkungsausschuss-Ebene einberufen. Zum Lenkungsausschuss gehörte unser Geschäftsführer, aber auch der Geschäftsführer des Endkunden. Der Lenkungsausschuss beschloss, dass hier ganz dringend einer benötigt würde – der „Ritter auf dem weißen Pferd“, der uns alle retten würde.

Und so kam es auch: Er schickte uns einen Helden, der immer für die richtigen Entscheidungen sorgen sollte. Nicht lange danach stand dieser Held mit „strahlender Rüstung“ in der Tür und die Hoffnung auf Seite der Geschäftsleitung war groß, dass sich die Dinge zum Besseren wenden würden. Leider hatte unser vermeintlicher Retter keine Ahnung von irgendwas.

Obwohl, stimmt nicht ganz – Eines konnte er richtig gut: das gesamte Team in Unruhe versetzen und die Rampup-Phase noch stärker aufmischen. Irgendwann merkte aber auch er, dass er in dieser Situation nichts ausrichten konnte – er war allem Anschein nach komplett überfordert.

„Wenn der Retter alles nur noch schlimmer macht…“

Daraufhin verbündete er sich mit dem Kunden: „Ich weiß auch nicht, was mit dem Team los ist! Normalerweise funktioniert das! Wahrscheinlich arbeiten auf dem Projekt die völlig falschen Leute!“ Im Klartext: Er fiel seinen eigenen Leuten in den Rücken. Wundert sich noch irgendjemand, dass ihm da entsprechender Widerstand aus dem Projektteam entgegenschlug? Er entzog sich, indem er zum nächsten Projekt-Brandherd eilte, der an anderer Stelle entflammt war. Bei uns hinterließ er nichts als verbrannte Erde.

„Projekte gelingen, wenn Sie diese Dinge beachten“

Was ich daraus gelernt habe: Wir alle wissen, dass man Projekte gut vorbereiten muss, insbesondere die Rampup-Phase – dennoch lassen wir uns immer wieder auf faule Kompromisse ein, ignorieren Warnzeichen, vergessen die bewährten Strukturen und lassen zu, dass die falschen Leute in das Projekt geholt werden, um es scheinbar zu retten. Dadurch wird alles nur noch schlimmer.

Was wir stattdessen brauchen, ist eigentlich hinlänglich bekannt und gar nicht so schwer – wir müssen es nur konsequent umsetzen:

  • Transparenz und offene Kommunikation
  • Klares Statusreporting
  • Einbindung des Lenkungsausschusses von Beginn an
  • Teams in Abstimmung mit dem Kunden bilden
  • Aufgaben schlüssig verteilen – an die richtigen Teammitglieder
  • Internen Support herstellen

Am wichtigsten ist jedoch: Die Geschäftsführung darf sich in einem Projekt, das in der Krise steckt, nicht mit dem Kunden verbünden und gegen das eigene Projektteam schießen. Wer dies tut, ist tatsächlich der dunklen Seite der Macht anheimgefallen.

 

– Überarbeitete Version, Erstveröffentlichung 2017 –

Wenn Sie die Inhalte dieser Website weiterempfehlen möchten:

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.