Keep the unexpected in mind!

Ich kenne mittlerweile mein Surfboard und seine Tücken, Theorie und Praxis sind mir klar bzw. mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Und doch ist dieses Jahr alles anders, als wir die französische Atlantikküste am Cap l‘Homy erreichen.

Ein Sturm im April hat die gesamte Struktur des Strandes zerstört, Sandbänke weggerissen und die Prile neu geordnet. Selbst die Düne, die bereits in den letzten Jahren stark gelitten hat, wurde nicht verschont und radikal geschoren.

„Die gesamte Struktur ist zerstört…“

In Folge besteht der Shore lediglich aus einer geraden Kante, die das Surfen nicht nur zu einem Glücksspiel, sondern an manchen Tagen quasi unmöglich macht…und die Großwetterlage vom Golf der Biskaya kommend tut ihr Übriges dazu.

Also, alles andere als die gewohnten Bedingungen, aber…ist das nicht mittlerweile fast schon Normalität? Verlassen wir uns nicht gerne auf das Altbewährte und Bekannte, die einstudierten Prozesse sowie funktionierende Methoden und Muster – eine vermeintliche Sicherheit?

Keines meiner Projekte war bisher wie das Vorhergehende – verschiedene Branchen und Unternehmenskulturen, unterschiedlichste Zielsetzungen und nicht zuletzt die Menschen selbst machen die Einzigartigkeit eines jeden Vorhabens aus.

Gewiss, Vorgehensmodelle und Projektmanagement-Methodiken – klassisch oder agil – geben einen Rahmen vor. Sie docken an unternehmens-interne Prozesse und Organisationen ein und beleuchten Planung, mögliche Risiken und Abhängigkeiten. Struktur ist maßgeblicher Bestandteil im Projektgeschäft, aber eben nicht das non plus ultra, um den Projekterfolg zu gewährleisten.

Ein Projekt ist ein generischer Kosmos, der seinen eigenen Gesetzen folgt – nicht in Linienfunktion gepresst werden kann und gerne die angewendeten Regelwerke ad absurdum führt. Dann tritt oftmals das Unerwartete ein.

„Be prepared but also keep the unexpected in mind!“

Der Scope wird vom Projekt Sponsor ohne die erforderlichen Kompensationen verändert. Linien-Manager greifen mit negativem Einfluss in die zentrale Projektorganisation ein. Wichtige Projektmitarbeiter stehen sich in scheinbar unversöhnlichen Konflikten gegenüber. Die Struktur scheint oder ist nachhaltig gestört.

In solchen Fällen zählen eine gute Beobachtungsgabe und Intuition, um zeitnah wenn nicht proaktiv steuernd eingreifen zu können. Die Flexibilität, um sich neuen Situationen anzupassen ist gleichermaßen gefragt wie Menschenkenntnis, Empathie und Führungsstärke, um ein gesundes Projektumfeld herzustellen. Nicht zuletzt sind das Annehmen von Veränderung und der Mut, damit offen umzugehen, oftmals entscheidende Faktoren zur Wiederherstellung von Sicherheit.

„Die Natur der Dinge – egal welche Disziplin!“

Projektmanagement oder Surfen, letztendlich kommt es nicht auf die Disziplin an…es ist ein Spiel in und mit der jeweiligen Natur. Und erst das Erkennen und Annehmen des Unerwarteten in Verbindung mit der Fokussierung auf die erforderlichen Fähigkeiten ist die Grundlage für einen sicheren Umgang mit den Gewalten.

 

– Überarbeitete Version, Erstveröffentlichung 2017 –

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