Surfen…und wo ist die Verbindung zum Projektmanagement?

Lit-et-mix, Frankreich, 18.08.2015 – 07.20 Uhr.  Ich sitze auf meinem Surfbrett und das Meer rollt in seinem unaufhörlichen Rhythmus unter uns beiden hinweg gen Land. Es ist noch früh am Morgen, das Wasser hat eine angenehme Temperatur von 20 Grad, aber die Luft ist mitunter schneidend kalt. Wird Zeit, dass die Sonne langsam über der Dünung aufgeht…ein herrlicher Moment! Antje sagt immer, der Aufwand rechtfertigt nicht das Ergebnis – tja, sie kommt vom Windsurfen, vielleicht muss man es dann so sehen. Ich hingegen spüre neben dem rein sportlichen Aspekt auch den meditativen Ansatz – nur man selbst und die Weite des Meeres, Ruhe satt – in welchen Momenten sonst kann man besser nachdenken oder einfach nur mal abschalten.

Ich liebe es! Vom ersten Augenblick an, als ich das erste Mal mit einem Surfboard meines besten Freundes auf den Atlantik hinaus gepaddelt bin, hat es mich gepackt. Passion pur!

Sehr bald habe ich festgestellt, dass ich die Leidenschaft zum Wellenreiten gleichermaßen mit der Leidenschaft zum Projektmanagement teile – zwei Disziplinen, die sich im Endeffekt sehr ähnlich sind.

Jeden Tag, wenn ich zum Surfen an den Strand gehe, nehme ich mir erst die Zeit, um mir ein Bild über die Gegebenheiten zu machen. Wie stehen die Gezeiten, gibt es Strömungen, wo liegen Sandbänke oder mögliche Unebenheiten, wie sind Wellenhöhe und -stärke und nicht zuletzt die Windverhältnisse einzuschätzen. Das Gesamtbild bestimmt den aktuellen Surf, wobei sich die Situation auch immer wieder minütlich ändern kann – permanent musst Du sehr flexibel reagieren und bereit sein, Dich gegebenfalls neu zu orientieren. Schlussendlich ist kein Surftag wie der Letzte oder der Kommende.

„…Für das managen eines Projekts ist es immens wichtig, sich ein möglichst genaues Bild der Umgebung zu machen, die Rahmenbedingungen zu erfassen und sich potentieller Risiken und Unwägbarkeiten bewusst zu sein. Hierbei sind Erfahrung, Proaktivität und ein intuitives Bauchgefühl gute Berater. Oftmals ändern sich die Parameter innerhalb des Projektlebenszyklus in schneller Abfolge, sodass gewisse Kurskorrekturen notwendig werden. Und welcher Projektmanager kann von sich behaupten, seine Projekte nur auf Basis von Standards ins Ziel zu bringen?…“

Dann ist der Moment da, in dem ich mich auf das Wasser begebe – erst einmal durch die Brandung paddeln, um in die verdiente Ruhezone hinter dem Wavebreak zu gelangen. Ohne den Rhythmus der einrollenden Wellen zu studieren und den richtigen Zeitpunkt abzupassen, ist es ein stetiger Kampf gegen die Natur. Hier bestimmen Übersicht und Timing Aufwand und Erfolg der Aktion.

„…Bereits zu Beginn eines Projekts sind wichtige Weichen zu stellen: was wollen wir gemeinsam erreichen, wer ist Teil des Projektteams und hat welche Rolle, wie ist das Selbstverständnis von der eigenen Aufgabe im Rahmen des Projekts. Gerade zu Beginn des Projekts ist Energie gefragt, sind Übersicht und das Gespür für Timing vonnöten, um die richtigen Entscheidungen vor dem Hintergrund von Projektzeitplan und -Budget zu treffen!…“

Geschafft –  ich sitze auf meinem Board und beobachte das Meer. Weit draußen vor der Küste formieren sich bereits die Wellenberge. Doch nicht immer ist die Sicht in die Ferne ein Garant für die reelle Entwicklung. Gerade noch hast Du die Welle im Blick, da läuft sie im nächsten Moment unter Dir hinweg, ohne sich zu formieren. Im umgekehrten Fall kann sie sich bereits zu früh aufbauen, um im nächsten Moment über Dir hereinzubrechen. Nur durch Beobachtung, stetige Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit, der Aufmerksamkeit für das Detail und dem Willen zur Entscheidung schafft man es, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. OK…zugegebenermaßen gehört auch manchmal einfach das notwendige Quentchen Glück dazu…:-)“

„…Das Projekt ist am Leben und läuft in seinen eigenen Bahnen. Für den Projektmanager heißt es nun aber nicht, dass die Zeit zum Zurücklehnen gekommen ist. Wachsamkeit und eine gute Beobachtungsgabe auch für die kleinen Dinge sind die Grundlage für eventuell erforderliche Maßnahmen. Reagiere und vor allem – entscheide!…“

Auch beim Surfen gibt es Regeln – einen Kodex, der beachtet sein möchte. Im Allgemeinen ist das Bild vom Wellenreiten nicht vom ‚Lonesome Surfer‘ geprägt, sondern man tummelt sich mit 15 – 30 Gleichgesinnten an ein und derselben Stelle im Wasser. Hierbei gibt es klare Regeln zu beachten, um sich nicht gegenseitig zu gefährden. Safety first ist hierbei die oberste Prämisse.

„…Projekte werden von Menschen gemacht, Projekte leben erst durch Menschen. Gegenseitiger Respekt und ein gewisses Maß an Umsicht sind unabdingbar für einen positiven Projektverlauf und den gemeinsamen Erfolg…“

Aber…nicht zuletzt bestimmen vor allem Spaß und Leidenschaft das Element. Ich checke den Swell, der nächste Surf kommt bestimmt und mein nächstes Projekt steht kurz bevor.

Hang loose, guys

 

– Überarbeitete Version, Erstveröffentlichung 2015 –

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